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Formen von Wissenstransfer und eine digitale Öffentlichkeit

Published onJun 21, 2022
Formen von Wissenstransfer und eine digitale Öffentlichkeit
·

Abstract

Alle Bevölkerungsgruppen sollen von Forschungsergebnissen profitieren, sie nachvollziehen können. Eine Öffentlichkeit kann sich jeweils für die Wissenschaft interessieren, und sie kann Feedback zur Forschung geben. Dass Forschungsergebnisse, Forschungsdaten, Lehr- und Lernmaterialien in der breiten Öffentlichkeit, mit Unterstützung von wissenschaftlichen und öffentlichen Bibliotheken, genutzt werden, war eine Überlegung für die WissKom2022, die von den Mitarbeitenden der Zentralbibliothek des Forschungszentrum Jülich und Bibliotheken in Düsseldorf durchgeführt wird. Forschungsdaten, Metadaten und Materialien sollen in den Bibliotheken aller Art geöffnet und auffindbar sein, um sie weiterhin bearbeiten und nachnutzen zu können. Wie das Teilen von Wissen in 2022 mit unterschiedlichen Akteuren geschehen kann, soll hier gezeigt werden. Jürgen Habermas beschreibt ‘Öffentlichkeit’ als eine „Unabgeschlossenheit des Publikums“ (Habermas).1 Dieser Begriff wird in dieser Arbeit zugrunde gelegt.

All sections  of the population should be able to benefit from research results  and understand the research findings. The public can take an interest in science and provide feedback about research. Making research results, research data, teaching and learning materials available to the general public, with the support of academic and public libraries, was a consideration for  WissKom2022, which is being carried out by the  staff of the Central Library of Forschungszentrum Jülich and libraries in Düsseldorf. Research data, metadata and materials need to be opened up and made findable in libraries of all kinds, in order to do the work or being re-used. It will be  described here how the sharing of knowledge with different players can happen in 2022. Jürgen Habermas describes the 'public' as an "unclosedness  of the audience" (Habermas). This notion will be used as a basis for this work.


1. Einführung

Mit digitalen Technologien ist es möglich, in kürzester Zeit große Mengen an Wissen abzurufen und zu teilen. Darin steckt sehr viel Innovationspotenzial. Im Sinne einer „Kultur des Teilens“ fördert das BMBF mit seiner Hightech-Strategie 2025 die Entstehung und Verwertung von Sprunginnovationen.2 Aus Spitzenforschung sollen innovative Produkte und Geschäftsideen werden (Wissenstransfer).

Open Access und die Offenlegung von Forschungsdaten tragen zur Transparenz und Reproduzierbarkeit von Forschungsergebnissen bei und befördern die Qualitätssicherung im Forschungsprozess. Wir wollen die Bereitschaft zur Offenlegung von Wissen unterstützen und werden mit einer nationalen Open Access-Strategie weiter darauf hinwirken, Open Access als Standard des wissenschaftlichen Publizierens zu etablieren. Wir werden in unserer Förderung intensiv darauf hinwirken, dass die FAIR-Prinzipien für Forschungsdaten (FAIR data: findable, accessible, interoperable und reusable data) umgesetzt werden. Zudem werden wir uns für eine „Kultur des Daten-Teilens“ sowie für qualitätsgesicherte, standardisierte Datenerhebung und -Auswertung einsetzen.3

Forschung, Forschungsdatenmanagement, Wissenschaftskommunikation, Transfer und eine gelebte Offenheit, in einer allgemeine Öffentlichkeit, gehören auf dem Campus digital zusammen wie das Butterbrot zum Ei. Stichwort Soziale Interoperabilität.4 Jedoch sind nicht alle Gruppen der Bevölkerung an oder über eine Universität vernetzt. Die Digitalisierung hat längst den Umgang mit Wissen aus der Forschung grundlegend verändert. In wissenschaftlichen Bibliotheken wird in Beratungen und Workshops sehr viel forschungsnaher gearbeitet als es früher der Fall gewesen war, und neben Büchern, mehr mit und an Daten. Neue Stellen mussten an den Universitäten zum Umgang mit Daten geschaffen werden, und manchmal kam in einer Universitätsbibliothek eine ganz neue Arbeitsstelle hinzu, die es vorher nicht gab. Wissenschaftler können sich in akademischen Bibliotheken zu neuen, digitalen Diensten ausführlich beraten lassen.

Abb.1: Beratungsangebote zum Forschungsdatenmanagement an der Universität Hildesheim

2. Herangehensweise und Diskussion

Im Forschungsdatenmanagement muss immer erst geschaut werden, was die Forschung in den einzelnen Fachbereichen und Projekten überhaupt ist, um dann zielgerecht, in Kooperationen, zu unterstützen. Die Herangehensweise zum Beitrag hinsichtlich Wissenstransfer und digitale Öffentlichkeit resultiert aus den vielen, direkten „bottom-up“ gemachten Erfahrungen vor Ort und online beim Aufbau der neuen Dienste in der UB Hildesheim von März 2018 bis Mai 2022.

In Forschungseinheiten der Universität Hildesheim soll die Forschung der Universität für die Bürger sichtbar gemacht werden (u.a. in Kooperationen mit der Stadt Hildesheim). Hier wurde 2018 in Gruppenterminen das FDM zunächst einmal bekanntgemacht:

  • Zentrum für Digitalen Wandel / Center for Digital Change

  • Center for World Music

  • Kompetenzzentrum Frühe Kindheit Niedersachsen

  • Zentrum für Bildungsintegration – Diversity und Demokratie in Migrationsgesellschaften

  • Herder-Kolleg: Zentrum für transdisziplinäre Kulturforschung

  • DFG-Graduiertenkolleg 2477 – Ästhetische Praxis

  • Interdisziplinäres Graduiertenkolleg „Gender und Bildung“

  • Promotionskolleg „Unterrichtsforschung“ ZfG – Zentrum für Geschlechterforschung

Forschungseinheiten bilden Querstrukturen zu den Instituten und Fachbereichen unserer Universität. Aufgaben und Ziele dieser Gruppen sind es, interdisziplinäre Kooperationen zu fördern, die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses zu unterstützen und einen Beitrag zur Schwerpunktbildung der Universität zu leisten.5

Das Center for World Music (CWM) soll hier als ein Beispiel genannt werden. Es ist ein musikethnologisches Forschungszentrum, das international ausgerichtet ist, aber auch mit sehr viel regionalem Engagement und lokaler Verortung. „Es ist ein Archiv und Labor, ein Ort der Forschung und des Studiums, ein Treffpunkt für Musikerinnen und Musiker und eine Basis für internationale Begegnungen und Verständigung.“6 In der Forschung geht es hier in erster Linie darum, wie das musikalische Kulturerbe erhalten werden kann oder um die Rolle von Musik beim Wiederaufbau von Gemeinschaften. Der Community Service ist eine Transferleistung:

Ziel der Arbeit im Bereich Community Service ist es, auf die aktuellen politischen Diskurse zu reagieren und Ergebnisse und Erfahrungen aus der musikethnologischen Arbeit des Center for World Music in die Öffentlichkeit zu tragen. Hierfür leitet das CWM Workshops, Konzerte, Vorträge und Austausch in die Wege. Zur angemessenen Organisation und Durchführung der musikvermittlerischen Angebote wurde 2021 der Förderverein Center for World Music e.V. gegründet.7

Praxisprojekte der Universität Hildesheim finden mit Partnerschulen
 („Hildesheimer Model der Lehrerbildung“8), Unternehmen, Bildungsinstitutionen und Wohlfahrtsverbänden statt. Die Firma Bosch9 sowie die COMPRA GmbH10 sind Netzwerkpartner der Forschung an der Hildesheimer Universität.

Für Interessierte an Entrepreneurship und Transfer gibt es an der Universität Hildesheim seit 2021 Informationsangebote durch die Kompetenzwerkstatt für Entrepreneurship und Transfer (KET).11 Hier wird zum unternehmerischen Denken sensibilisiert, inklusive zu Unternehmensgründungen. Die Universität Hildesheim arbeitet aktuell an einem Strategieprozess.12 Es gibt eine Arbeitsgemeinschaft Forschung, mit Teilnahme der UB-Leitung. Aktiv laufende Services zum FDM für die Universität Hildesheim beinhalten im Mai 2022 im Servicekatalog das RDMO-Tool13 zum Schreiben von Datenmanagementplänen und eine Möglichkeit zum offenen Publizieren über das Dataverse-Repositorium (siehe oben das Poster zu den Beratungsangeboten)14. Die genannten Services laufen inzwischen nun technisch fast von selbst, auch mit den dazugehörigen Updates, während die Forschenden bei der Nutzung der Dienste und Werkzeuge oft individuell unterstützt werden müssen. Es sind im Bereich des Forschungsdatenmanagement seit 2019 Schulungen, Workshops und Coffee Lectures zu allen Aspekten im Datenmanagement durchgeführt worden.15

Abb.2: Austausch zu „Open Science, Open Data“

Informationen zu den bisher gesamten Unterstützungsangeboten gibt es auf den Seiten der Universitätsbibliothek unter „Forschen und Publizieren“: www.uni-hildesheim.de/bibliothek/forschen-publizieren/forschungsdatenmanagement

Im Herbst 2021 wurde das FDM der UB Hildesheim als Digitaler Ort Niedersachsen16 ausgezeichnet, weil es jeden Tag zum Gelingen der Digitalisierung durch forschungsnahe Dienstleistungen beiträgt. Durch die Beratungsangebote wird digitaler Wandel ermöglicht:

Forschung ist sehr häufig das Ergebnis von mehreren Personen. Sie ist nicht nur kollaborativ und institutsübergreifend, sondern häufig auch lokal, regional, national oder sogar international. Daher verzahnt das Forschungsdatenmanagement der Universitätsbibliothek Hildesheim Lehre und Forschung. Außerdem fördert die Leitlinie zum Umgang mit Forschungsdaten ganz im Sinne von Open Science und Open Access die Transparenz von Wissenschaft in Niedersachsen und der Welt.17

Die Stelle zum FDM beteiligte sich am Digitaltag 2021 mit dem Spiel Data (Horror) Escape Room, um das Forschungsdatenmanagement der Öffentlichkeit näher zu bringen.

Abb.3: Data (Horror) Escape Room beim Digitaltag 2021. Eine Initiative der FDM-Stelle der UB Hildesheim

3. Interpretation

Das Forschungsdatenmanagement der UB Hildesheim kann mit den institutionellen Angeboten zur Stärkung des Wissenstransfers zwischen Universitäten, Wirtschaft, Gesellschaft und Bibliotheken beitragen. Die Umsetzungen zur Unterstützung der FAIR Prinzipien,18 unter anderem zur Auffindbarkeit von Forschungsergebnissen, spielen seit 2018 eine wichtige Rolle. Die FAIR-Prinzipien sind in den Leitlinien zum FDM19 der Universität Hildesheim verankert:

Die Stiftung Universität Hildesheim (SUH) verfolgt das Ziel, Wissen zu schaffen und zu bewahren, Impulse für kreatives Denken zu geben und neue Erkenntnisse für Wissenschaft und Gesellschaft sowie für nachfolgende Generationen zugänglich und nutzbar zu machen. Durch ein gutes Forschungsdatenmanagement wird der administrative Aufwand für die Forschenden reduziert.

Das Forschungsdatenmanagement ist an jeder universitären Einrichtung systemrelevant geworden, so auch in Hildesheim, in der Universitätsbibliothek. Mit Veröffentlichungen von Forschungsdaten, wenn möglich als Open Data, können die im Zuge der Forschungstätigkeiten gewonnenen Erkenntnisse der Institute, sowie Informationen aus den Projekten, allen Interessieren bereitgestellt werden, und eben nicht nur Personen aus der Wissenschaft oder Kollegen in der Bibliothek oder aus dem Rechenzentrum. 2018 wurde vom VDB Verein Deutscher Bibliothekarinnen und Bibliothekare die Kommission für forschungsnahe Dienste20 ins Leben gerufen, die sich unter anderem mit Wissenschaftsmanagement und Open Science in Bibliotheken beschäftigt. Ende Mai 2022 wurde ein Positionspapier zum Thema Openness veröffentlicht. Bei der Erstellung forschungsnaher Dienste entstehen Kooperationen mit den IT-Abteilungen der Bibliotheken, den Forschungsabteilungen der Hochschulen und andere Kooperationen für hochschulöffentliche und ganz öffentliche Wissensvermittlung, heisst es darin. Im Positionspapier „Forschungsunterstützung an Bibliotheken“21 wird das projektbezogene Arbeiten der Wissenschaftler erwähnt. Angebote werden disziplinübergreifend genutzt. Es gab im Sommer 2021 einen Workshop zum FDM in Bibliotheken, der vom VDB Regionalverband Nordwest organisiert wurde. Daran nahmen fast 100 Personen aus wissenschaftlichen und öffentlichen Bibliotheken teil, um sich über den praktischen Aufbau eines FDM in einer Bibliothek zu informieren. Ein Lernergebnisse sollte es sein, dass die Teilnehmenden am Ende der Veranstaltung die Aufgaben des FDM aus der Praxis nachvollziehen können, um das neue Wissen dann wieder weiterzugeben und das Gelernte am eigenen Standort umzusetzen. Das Personal in Bibliotheken war dafür sensibilisiert worden, dass Open Science eine Kultur ist.

Abb.4: Forschungsdatenmanagement in Bibliotheken

Die Bundesregierung hat sich in ihrer Koalitionsvereinbarung zur Legislaturperiode 2021-2025 das Ziel gesetzt, Open Access und Open Science zu stärken.22 Das BMBF bezieht die Gesellschaft als zentralen Akteur mit ein. Es öffnet die Forschungsförderung für soziale Innovationen. Zum Beispiel werden nachhaltige Mobilitätskonzepte auf kommunaler Ebene konzipiert und in Reallaboren umgesetzt und zielgruppenspezifisch aufbereitet.23 2019 wurde eine neue Förderrichtlinie veröffentlicht, um Citizen Science weiter in Bevölkerung und Wissenschaft zu verankern. 15 Projekte zu Themen aus der Gesundheit, Umwelt, Stadtentwicklung sowie Kultur und Sozialwissenschaften werden dabei gefördert. Reallabore als Testräume für Innovation und Regulierung ermöglichen es, über die Wirkungen der Innovationen zu lernen und den Rechtsrahmen weiterzuentwickeln. Um bessere rechtliche Möglichkeiten für Reallabore24 zu schaffen, hat das Bundeskabinett im April 2021 im Rahmen des Maßnahmenpakets für Bürokratieerleichterungen beschlossen, dass die Bundesministerien in Zukunft im Rahmen des Ressortprinzips für jedes Gesetz prüfen wollen, ob durch die Aufnahme einer Experimentierklausel Reallabore ermöglicht werden können.

Förderrichtlinien sind für das Forschungsdatenmanagement interessant und sehr wichtig, weil in den Anträgen Angaben zum „Data Handling“ gemacht werden müssen und ein Datenmanagementplan geschrieben werden soll.

4. Schnittstellen zwischen Öffentlichen und Wissenschaftlichen Bibliotheken

Forschungsdaten können als OER-Materialien in öffentlichen Bibliotheken interessant sein und über Kataloge gesucht und entdeckt werden.25 Wissenstransfer wird im Sinne von Open Science seit zwanzig Jahren mit Open Access Publikationen durch die Berliner Erklärung,26 am 22. Oktober 2003, über offenen Zugang zu wissenschaftlichem Wissen (englisch Berlin Declaration on Open Access to Knowledge in the Sciences and Humanities, kurz: Berliner Erklärung), ermöglicht. Diese Erklärung bezog damals das kulturelle Erbes, das Kulturgut in Archiven, Bibliotheken und Museen mit ein. Offene Wissenschaft als Kulturwandel lässt dabei auch öffentliche und wissenschaftliche Bibliotheken näher zusammenrücken.

Öffentliche Bibliotheken profitieren von den Angeboten der Universitätsbibliotheken, indem sie beispielsweise zu Publikationen in den Repositorien informieren und offene Links über Portale bereitstellen. Open Access hat sich sowohl für wissenschaftliche als auch öffentliche Bibliotheken, hinsichtlich der freien Angebote im Internet, Citizen Science und Open Innovation etabliert. Forschung findet oft abseits des Campus statt (Citizen Science, Bürgerwissenschaften, Forschung als Hobby, Bürger beschäftigen sich mit Krankheiten und dem dazugehörigen Forschungsstand, Jugend forscht27). Bürger forschen im Rahmen von Wikipedia, indem sie neue Artikel schreiben oder bereits vorhandene ergänzen. Öffentliche Bibliotheken wiederum haben interessante Altbestände, die für die Hochschulforschung wichtig sein könnten und künftig digitalisiert werden. Open Access wurde zunächst im Kontext des Wissenschaftsverständnisses interessant, weil hier das Publizieren als Teil der Forschung gesehen wird. Monografien, Beiträge zu Sammelbänden, Artikel in wissenschaftlichen Zeitschriften, Konferenzbeiträge und Zeitungsartikel sind etablierte Publikationsformen, aber auch mehr und mehr Videographien als Forschungsdaten zum Beispiel oder OER. Daten-Veröffentlichungen in Repositorien, können sich sehr aufgrund der Nachnutzungsmöglichkeiten sehr lohnen, und auch die öffentlichen Bibliotheken können hier über eine Bereitstellung von neuem Wissen im Open Access längst profitieren. Digitale Materialien, wie analoge, müssen für wissenschaftliche und öffentliche Bibliotheken in digitalen Archiven langzeitarchiviert werden, damit lebenslanges Lehren, Lernen und Forschen für alle in der Gesellschaft möglich bleiben kann. Eine Funktion der FDM-Stelle der UB Hildesheim ist es, dabei zu helfen, Informationen für Forschende zugänglich zu machen und Wissenschaftler dazu beraten, wo sie ihre Forschungsdaten und Metadaten publizieren können, so wie in den eigenen Leitlinien formuliert:

Es wird empfohlen, Forschungsdaten/Forschungssoftware und wissenschaftliche Publikationen entsprechend der Open-Access-Leitlinie der Stiftung Universität Hildesheim öffentlich zugänglich zu machen. Hierfür wird die Wahl einer offenen Lizenz (z.B. Creative Commons) zur einfachen Nachnutzung empfohlen. Dies erfolgt unter Berücksichtigung der Anforderungen der Forschungsförderer und -partner. Dabei werden die FAIR Data Principles sowie Software- und Datenzitationsprinzipien (Data Citation Principles) eingehalten.

Die Bibliothek berät Forschende deshalb zum Umgang mit Forschungsdaten in den Datenrepositorien unterschiedlicher Art. Solche Aktivitäten wie Daten-Upload, Datenformate, Metadatenvergabe oder DOI richten sich an der Universität Hildesheim an alle Fachbereiche und Institute, mit dem Ziel Wissen durch Auffindbarkeit vermitteln zu können. Um Wissen zu bewahren, werden Forschungsdaten in einem archivierbaren Dateiformat abgelegt, in einem vertrauenswürdigen Forschungsdaten-Repositorium hochgeladen und veröffentlicht. Zu diesen Forschungsergebnissen sollten, wenn möglich, alle Bürger Zugriff haben, sofern die Daten nicht forschungsethisch geschützt werden müssen, weil zu zu sensibel sind. Die Leitlinie 13 des DFG-Kodex, auf die wir uns vor Ort beziehen und zu der wir intensiv beraten, beinhaltet die Herstellung von öffentlichem Zugang zu Forschungsergebnissen, so wie es in den Erläuterungen zur Leitlinie 13 des DFG-Kodex geschrieben steht:

Aus Gründen der Nachvollziehbarkeit, Anschlussfähigkeit der Forschung und Nachnutzbarkeit hinterlegen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, wann immer möglich, die der Publikation zugrunde liegenden Forschungsdaten und zentralen Materialien – den FAIR-Prinzipien („Findable, Accessible, Interoperable, Re-Usable“) folgend – zugänglich in anerkannten Archiven und Repositorien. Einschränkungen können sich im Kontext von Patentanmeldungen mit Blick auf die öffentliche Zugänglichkeit ergeben. Sofern eigens entwickelte Forschungssoftware für Dritte bereitgestellt werden soll, wird diese mit einer angemessenen Lizenz versehen. Dem Gedanken „Qualität vor Quantität“ Rechnung tragend, vermeiden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unangemessen kleinteilige Publikationen. Sie beschränken die Wiederholung der Inhalte ihrer Publikationen als (Co-)Autorinnen und (Co-)Autoren auf den für das Verständnis des Zusammenhangs erforderlichen Umfang. Sie zitieren ihre zuvor bereits öffentlich zugänglich gemachten Ergebnisse, sofern darauf nach dem disziplinenspezifischen Selbstverständnis nicht ausnahmsweise verzichtet werden darf.

Wissen aus Forschungsdaten wird häufig aus Simulationsdaten, Beobachtungen, Umfragen, Messungen, Interviews, Transkripten, Software-Code, Algorithmen, audiovisuellen Forschungsdaten und aus physischen Objekten, Proben und Artefakten generiert. Der Zugang zu solchen Daten und Wissen ist im Idealfall immer ein offener. Für einen Wissenstransfer sind persistente, digitale Identifikatoren wichtig, die direkt und ortsunabhängig und beispielsweise auch Hobbyforscher auf ein digitales Objekt verweisen. Neben der digitalen Transformation hat auch eine soziale stattgefunden, damit verbunden der Kulturwandel hin zu Offener Wissenschaft. Es gibt online Ideenwettbewerbe, Digitaltage, digitale Plattformen und cloudbasierte Kollaborationsumgebungen. Daran können sich alle Bürgerinnen beteiligen.

Gute Kooperationen, Öffentlichkeitsarbeit, Videomaterial, Handreichungen zu den angebotenen Services der Bibliotheken sowie Durchführungen von Veranstaltungen wie Coffee Lectures, Workshops und Konferenzen sowie „digitale“ Tage sind nützliche Instrumente von Übersetzungsleistungen, außerdem Online Formate wie Podcasts und Newsletter. Solche Kollaborationen setzen gegenseitige Begegnungen der unterschiedlichen Player voraus sowie ein übergeordnetes Zusammenarbeiten über interne Silos hinweg:

To develop robust research  support  services  across  the  entire  research life cycle, individuals and units from across the university, including the library, must collaborate across internal silos. Effective  social interoperability—the  creation  and  maintenance  of  working  relationships between individuals and organizational units—in higher  education requires a thorough knowledge of campus partners.28

Im Winter erhielt die UB Hildesheim die Open Library Badge,29 eine schöne Initiative, die Anreize gibt, das Konzept der Offenheit verfolgen.

Die Universitätsbibliothek Hildesheim hat den Open Library Badge 2020 für die folgenden Kriterien erhalten:

Badge-Trägerinnen30 kommen aus wissenschaftlichen und öffentlichen Bibliotheken, z.B. der Bibliothek der Technischen Hochschule Aschaffenburg, aus dem kooperativen Bibliotheksverbund Berlin-Brandenburg, der UB Bern, der SLUB, dem HBZ, die Stadtbibliothek Erlangen oder aus der Stadtbibliothek Neuss, um nur einige zu nennen.

5. Fazit und Ausblick

Ein integriertes Forschungsdatenmanagement in der wissenschaftlichen Bibliothek mit generischen und disziplinspezifischen Dienstleistungen hilft bei Fragen zum Repositorium oder Schulungsangeboten (Coffee Lectures, Workshops), d.h. den Wissenschaftlern bei der Einhaltung der FAIR-Prinzipien in den Projekten. Davon profitieren schließlich alle Bürger durch eine zielgerichtete Kommunikation (Wissenstransfer). Noch längst kümmern sich an der Universität Hildesheim, genau wie anderswo, nicht alle Forschenden um ihr Forschungsdatenmanagement und machen ihre Forschungsergebnisse nicht bestmöglich sichtbar, aber in allen Bereichen sind sie doch zum Teil inzwischen doch sehr „aware“, dass der gute Umgang mit Forschungsergebnissen für sie selbst und für die Gesellschaft sehr gewinnbringend sein kann. Kommunikation der Forschung sollte barrierefrei („open“) geschehen und somit für alle Transparenz in der Forschung bieten. Außerdem fördert Wissenschaftskommunikation das weitere Interesse für die Forschungsarbeiten und an innovativen Themen. Zukünftig wird Wissenschaft weiter an eine breite, digitale Öffentlichkeit kommuniziert, d.h. Forschungsarbeiten werden in Universitätsverlagen, Open Access Verlagen und in geeigneten Fachjournals publiziert. Allmählich werden Forschungsdaten noch mehr im Sinne der guten wissenschaftlichen Praxis als eigenständige Leistung mit Nachnutzungspotential auf unterschiedlichen Repositorien veröffentlicht, z.B. in einem Repositorium, in Kooperation mit der GWDG in Göttingen, das auf der Software Dataverse basiert, wie oben erwähnt wurde.


Literatur

DV-ISA Arbeitskreis DV-Infrastruktur der Hochschulen in NRW. (2016). „Umgang mit digitalen Daten in der Wissenschaft: Forschungsdatenmanagement in NRW – Eine erste Bestandsaufnahme“. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.200429

Schmitz, Jasmin. (2017). „Open Access – nicht nur ein Thema für wissenschaftliche Bibliotheken“. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.999345

Stegemann, Jessica. (2020). „Was Bleibt Nach Dem Projekt? - Nachhaltigkeitsstrategien für das Forschungsdatenmangement (FDM) Entwickeln“. Bausteine Forschungsdatenmanagement, Nr. 1 (April). German:69-76. https://doi.org/10.17192/bfdm.2020.1.8167

Strauch, Annette. (2020). „Universitätsbibliotheken heute. Partner im Forschungsdatenmanagement in der Praxis“. ABI Technik, vol. 40, no. 2, pp. 177-186. https://doi.org/10.1515/abitech-2020-2008


Zur Autorin

Annette Strauch-Davey, M.A. ist Anglistin und Europäische Ethnologin der Georg-August-Universität Göttingen, hat fast 20 Jahre in Wales gelebt und dort zum Beispiel im National Museum in Cardiff und in der National Library in Aberystwyth gearbeitet. Seit über zehn Jahren ist sie im Bereich der Langzeitarchivierung und Forschungsdaten tätig, aktuell in der Universitätsbibliothek Hildesheim (Stiftung Universität Hildesheim), früher auch im kiz der Universität Ulm. Für den Sonderforschungsbereich 1187 im Zentrum für Informations- und Medientechnologie (ZIMT) an der Universität Siegen beschäftigte sie sich mit den Bedarfen der Forschenden in 14 Teilprojekten. Sie möchte auch zukünftig weiter im Forschungsdatenmanagement, in allen Vernetzungen wie der NFDI und im Rahmen der EOSC im Sinne von Open Science tätig bleiben.

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