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Pilotprojekt CO2 Rechner für die Kultur – eine Stadtbücherei inmitten von Museen und Theatern

Published onJun 21, 2022
Pilotprojekt CO2 Rechner für die Kultur – eine Stadtbücherei inmitten von Museen und Theatern
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Abstract

Dass Kohlendioxid das Klima verändert, ist hinlänglich bekannt. Das unauffällige Gas gelangt in die Atmosphäre, wenn wir zur Arbeit fahren, im Büro das Licht anschalten oder die Heizung aufdrehen, obwohl oder gerade weil wir wegen der Pandemie ständig lüften müssen. Damit verstärken wir den Treibhauseffekt, der die Erde immer mehr aufheizt.
Aber wieviel Kohlendioxid produziert eigentlich eine Bibliothek? Für den privaten CO2-Verbrauch gibt es Rechner im Internet, in die man seine Daten eingeben kann. Im Kulturbereich ist das Thema in Deutschland völlig neu. Doch wenn der Staat sein Klimaziel erreichen und den Ausstoß von CO2 bis 2030 um 65% reduzieren will, muss jede Branche ihren Part dazu beitragen. Dabei muss eine Reduktion nicht unbedingt Verzicht bedeuten. Ein Umdenken ist angesagt.
Das Aktionsnetzwerk Nachhaltigkeit in Kultur und Medien hat es sich zur Aufgabe gemacht, die verschiedenen Player spartenübergreifend zusammenzubringen und nachhaltige Erfahren zu sammeln. Dazu arbeitet es mit zahlreichen Partnern zusammen und wird von der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien (BKM) gefördert.
Am 11. Mai 2021 wurde im Rahmen eines Pilotprojekts ein Rechner zur Ermittlung des CO2-Fußabdrucks von Kulturinstitutionen basierend auf dem Creative Green Tool von Julie’s Bicycle aus Großbritannien vorgestellt. In einer geschlossenen Pilotphase können 18 ausgewählte Institutionen aus NRW bis März 2022 diesen Rechner testen. Als einzige Bibliothek nimmt die Stadtbücherei Emmerich am Rhein an diesem Projekt teil. Der Beitrag berichtet von den ersten Erfahrungen und den Ergebnissen und Folgen dieses Pilotprojekts.

It is well known that carbon dioxide changes the climate. The inconspicuous gas enters the atmosphere when we drive to work, switch on the light in the office or turn up the heating, although or precisely because we have to ventilate constantly because of the pandemic. In this way, we suitable he greenhouse effect, which heats up the earth more and more.
But how much carbon dioxide does a library actually produce? For private CO2 consumption, there are calculators on the internet where you can enter your data. In the cultural sector the topic is completely new in Germany. But if the state wants to achieve its climate goal and reduce CO2 emissions by 65% by 2030, every sector must do its part. Reduction does not necessarily have to mean omission. A rethinking is called for.
The Aktionsnetzwerk Nachhaltigkeit in Kultur und Medien (Action Network Sustainability in Culture and Media) has set itself the tasks of bringing together the various players across sectors and collecting sustainable experiences. Furthermore, it works with numerous partners and is funded by the Federal Commissioner for Culture and the Media (BKM).
On 11 May 2021, a calculator for determining the carbon footprint of cultural institutions based on the Creative Green Tool from Julie's Bicycle in the UK was introduced as part of a pilot project. In a closed pilot phase, 18 selected institutions from NRW can test this calculator until March 2022. The municipal library of Emmerich am Rhein is the only library participating in this project. The article reports on the first experiences and the results and environmental impact of this pilot project.


Einleitung

Seit jeher ist das Wetter ein wichtiger Ankerpunkt für den Menschen. Es umgibt uns permanent und bestimmt unseren Tagesrhythmus. Aus diesem Grund beobachten die Menschen das Wetter und versuchen, seinen Verlauf zu prognostizieren. Die Menschheitsgeschichte ist zugleich eine Klima- und Wettergeschichte, da viele (kultur-)geschichtliche Ereignisse vom Wetter beeinflusst wurden. War das Wetter anfangs ein „göttliches Zeichen“ oder eine Strafe Gottes wurden die Vorhersagen im Laufe der Jahrhunderte immer präziser. Heute sind sie aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Der Mensch hat viel über das Wetter gelernt und man weiß, dass auch der Mensch das Klima beeinflusst. Aufgrund der großen Probleme, die mit diesem vom Menschen gemachten Klimawandel auf uns zukommen werden, hat der Jurist und Autor Ferdinand von Schirach in seiner Erweiterung der „Allgemeinen Menschenrechte“ in Artikel 1 formuliert: „Jeder Mensch hat das Recht, in einer gesunden und geschützten Umwelt zu leben“ (Schirach 2021, S. 18, Artikel 1). Wenn wir dieses Grundrecht verwirklichen wollen, müssen wir alle dazu beitragen, dass sich der CO2-Verbrauch in den nächsten Jahren um 65% verringert.

1992 schrieb ich meine Diplomarbeit über Öko-Ratgeber. Ich definierte diese damals recht neue Literatursparte innerhalb der populären Ratgeberliteratur (Joosten 1992). So war es keine Frage, dass sich mein derzeitiger Arbeitgeber, die Stadt Emmerich am Rhein, für die Teilnahme an dem Pilotprojekt des Aktionsnetzwerks Nachhaltigkeit in Kultur und Medien bewarb.

1. Kurze Einführung in die Thematik des Klimawandels

In meiner Diplomarbeit findet sich kein Wort über den Klimawandel, der heute in aller Munde ist. Die populären Medien benutzten damals den pauschaleren Begriff „Umweltschutz“. Die Forschenden wussten schon damals um die schädliche Wirkung eines steigenden CO2-Ausstoßes auf das Klima.

Was aber ist Klima eigentlich? Die Meteorologen beschreiben mit dem Begriff die „‘Gesamtheit der Wettererscheinungen an irgendeinem Ort der Erde während einer festgelegten Zeitspanne‘“ (Plöger 2020, S. 78). Dass CO2 einen Temperaturanstieg erwirkt, wissen die Forschenden seit mehr als 100 Jahren. 1941 erforschte  der Meteorologe Hermann Flohn bereits die Einflüsse des Menschen auf das Klima (Beuermann, 2013)1. 1970 warnte die National Academy of Sciences erstmals vor der globalen Erwärmung (Rahmstorf / Schellnhuber, 2019). 1990 veröffentlichte das 1988 gegründete Beratergremium Interngovernmental Panel on Climate Change (IPCC) seinen ersten Sachstandsbericht (IPCC, 1990). Heute wissen wir, dass die Erwärmungsrate der vergangenen 50 Jahre ungefähr doppelt so hoch war wie in den 50 Jahren zuvor (Plöger 2020, S. 201). Das Klima in Deutschland hat sich seit dem 19. Jahrhundert um 1,8 oC erwärmt. Die Meeresspiegel sind um ca. 20 cm gestiegen. Die Folgen des Klimawandels sind extreme Wetterlagen wie vermehrte Hochwasser, Stürme oder Dürre. Damit einher gehen ein Massensterben von Tier- und Pflanzen sowie Hungersnöte für die Menschheit in bestimmten Regionen. Die Diskrepanz zwischen Industrie- und Entwicklungsländern wird sich verstärken. (Rahmstorf / Schellnhuber 2019, S. 52-78)

Das Pariser Klimaabkommen spricht 2015 erstmals von sogenannten Kipppunkten. „Nur eine Begrenzung der globalen Erwärmung auf 1,5 oC würde das mediterrane Ökosystem der vergangenen 10.000 Jahre erhalten“ (Rahmstorf / Schellnhuber 2019, S. 73). Diese Begrenzung wurde bis 2100 festgeschrieben. Sie bedeutet einen maximalen CO2-Ausstoß von 420-720 Gigatonnen. Machen wir so weiter wie bisher, bleiben der Welt nur noch zehn bis 20 Jahre, um dieses Gesamtbudget zu erreichen (Plöger 2020, S. 220). Der European Green Deal schreibt den Staaten deshalb eine Klimaneutralität bis 2050 vor. Um dies zu erreichen, müsste die globale Treibhausemmission bis 2030 jährlich um mindestens 7,6% sinken. So sagt es die Agenda 2030 der Vereinten Nationen in Ziel 13, das sich mit dem Klimaschutz befasst (BMF). Es wird deutlich, dass der Klimaschutz eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist, bei der baldiges Handeln gefordert ist.

Um handeln zu können, braucht man Grundlagen, in diesem Fall die Grundlage, wie hoch der CO2-Ausstoß eines Haushalts, einer Firma oder Institution eigentlich ist. Und hier kommt der CO2-Fußabdruck ins Spiel. In den 1980er Jahren entwickelten Mathis Wackernagel und William E. Rees einen eindimensionalen Ansatz einer Ökobilanzierung. Gemessen wird dabei der Verbrauch natürlicher Ressourcen pro Person und Jahr (Wackernagel / Rees 1997). Seitdem erarbeiteten unterschiedliche Player sogenannte CO2-Rechner, um den Fußabdruck ermitteln zu können.2

Zahlreiche Firmen werben inzwischen mit ihrer Klimabilanz. Es gibt unterschiedliche Projekte, wie der CO2-Ausstoß ausgeglichen und die Bilanz neutralisiert werden kann (Wolters / Schaller / Görtz 2018).

2. CO2 und Kulturinstitutionen weltweit

Wie aber steht es mit der Kultur? In Deutschland haben die Kulturinstitutionen gerade erst damit begonnen, CO2-Bilanzen zu erstellen. International sieht es nicht viel besser aus. Im Mai 2021 stellte die UNESCO eine Inter-Agency-Platform ins Netz. Sie soll Kräfte bündeln, Lobbyarbeit stärken und neue Perspektiven auftun.3 Im Bibliotheksbereich hat die IFLA4 sich erst jüngst auf die Ziele der Agenda 2030 berufen und definiert, was man unter einer grünen Bibliothek versteht5. Weltweit greifen Bibliotheken inzwischen das Thema Klimaschutz auf. Es entstehen Bibliotheksprogramme, Handwerkskoffer, und es werden Preise ausgerufen und verliehen. Die internationale Initiative „Libraries 4 future“ hatte ihren Ausgangspunkt in Deutschland. Auch hierzulande entstehen Förderprogramme, ausgewählte Goodpratice-Beispiele, Leitfäden, Checklisten, Umweltmanagementsysteme und Zertifikate. Bibliotheken passen ihre Leitbilder an und beginnen damit, einen CO2-Fußabdruck zu errechnen (Hauke 2022).

In Großbritannien befasst sich das Arts Council England6 seit 2012 mit den Folgen des Klimawandels und den Möglichkeiten der Kulturinstitutionen, diese zu mildern. In der Zusammenarbeit mit Julie's Bicycle wurde das „Creative Green Tool“, ein CO2 -Rechner für Kulturinstitutionen, entwickelt. In einem Bericht des Arts Council England konnten 2015/16 erstmals Daten veröffentlicht werden (ACE 2016).

3. Klimabilanzierung in deutschen Kulturinstitutionen

In Deutschland gab es im vergangenen Jahr zwei große Pilotprojekte, bei denen die Ökobilanzierung von Kulturinstitutionen jeglicher Sparten im Mittelpunkt stand. Das Wissen um den ökologischen Fußabdruck ist dabei der erste Schritt, um die Reduzierung des CO2-Ausstosses planen und umsetzen zu können.

Die Kulturstiftung des Bundes hat in ihrem Projekt „Klimabilanzen in Kulturinstitutionen“ 19 Kultureinrichtungen unterstützt, eine Klimabilanz zu erstellen. Angewendet wurde dabei der Standard des „Greenhouse Gas Protocol“, nachdem die Emissionen in direkte, indirekte und vor- bzw. nachgelagerte Emissionen eingeteilt werden. Unter den teilnehmenden Institutionen befinden sich beispielsweise das Museum Folkwang in Essen und das Tanzhaus NRW in Düsseldorf (Brünger 2022). Als einzige Bibliothek war die Heinrich-Böll-Bibliothek in Berlin-Pankow vertreten7.

Das zweite Pilotprojekt wurde vom Aktionsnetzwerk Nachhaltigkeit in Kultur und Medien durchgeführt. Das Aktionsnetzwerk ist, gefördert vom Bundesministerium für Kultur und Medien, eine spartenübergreifende Anlaufstelle für alle Fragen der Betriebsökologie. Dabei agiert es als neutraler Partner zwischen Politik, Verwaltung, Wissenschaft, Unternehmen und handelnden Institutionen. Ziel ist es, die Erreichung der Klimaschutzziele des Pariser Abkommens und der Agenda 2030 in der Kultur- und Medienlandschaft zu unterstützen. Auch bei ihrem Pilotprojekt ging es um die Errechnung einer Klimabilanz. Dazu wurde der CO2-Rechner von Julie’s Bicycle ins Deutsche übersetzt. Bevor er der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden konnte, sollten ihn Kultureinrichtungen testen und erste Erfahrungen sammeln. Am 11. Mai 2021 gab es eine erste Klimawerkstatt Kultur, bei der zur Teilnahme an dem Pilotprojekt aufgerufen wurde. Es meldeten sich so viele Kulturinstitutionen, dass man beschloss, das Projekt auf 18 Häuser aus NRW zu beschränken. Als einzige Bibliothek gehörte die Stadtbücherei Emmerich am Rhein, neben Theatern und Museen, wie z. B. die Ruhrtriennale oder das Museum Ludwig in Köln, dazu (Pilotprojekt 2021).

4. Die Stadtbücherei Emmerich am Rhein

Emmerich am Rhein ist die letzte deutsche Stadt am Rhein, liegt also direkt an der Grenze zu den Niederlanden. Der Rhein prägte von jeher die Geschichte der Stadt und brachte ihr als Hansestadt Sicherheit und Wohlstand (Wassenberg 1983). Im 19. Jahrhundert spielte die Industrialisierung eine immer größere Rolle (Pelzer 1985). Noch heute sind in der Stadt große international agierende Konzerne angesiedelt. Geht man allerdings durch Emmerich am Rhein findet man nur noch wenig von dem alten Glanz. Die Stadt wurde im 2. Weltkrieg zu 97% zerstört und zählt zu den am meisten zerstörten deutschen Städten (Strauß 2009).

Abb. 1: In dem Gebäude aus den 1970er Jahren ist die Stadtbücherei im Erdgeschoß und in einem Teil der Kellerräume untergebracht. Die restlichen Flächen werden von anderen Fachbereichen der Stadtverwaltung belegt. © Stadtbücherei Emmerich am Rhein

Heute wohnen ca. 32.500 Menschen in Emmerich am Rhein. In der Stadtbücherei stehen ihnen ca. 28.000 Medien zur Verfügung. Das Gebäude direkt neben dem Rathaus strahlt den Charme der 1970er Jahre aus (Abb. 1). Eine Fläche von 424 m2 steht dem Publikum auf zwei Ebenen zur Verfügung. Die Stadtbücherei gehört seit 2001 zum Eigenbetrieb Kultur Künste Kontakte, in den das ehemalige Kulturamt ausgegliedert wurde8. Das Angebot entspricht einer modernen Kleinstadtbibliothek. Die Stadtbücherei versorgt die Einwohner mit Unterhaltung und Informationen. Sie stellt in ihren Räumlichkeiten drei Arbeitsplätze zur Verfügung. In der Kinderbücherei gibt es einen offenen Raum für Veranstaltungen. Die Stadtbücherei beteiligt sich jedes Jahr an den Landesförderprogrammen „Sommerleseclub NRW“ sowie „Kulturrucksack NRW“ und bietet, dank ehrenamtlicher Vorlesepatinnen, wöchentliche Vorlesesamstage an. In den Räumlichkeiten der Kinderbücherei werden ebenso Lesungen und andere Veranstaltungen für Erwachsene durchgeführt.

5. Die Klimabilanz der Stadtbücherei Emmerich am Rhein

Für das Pilotprojekt „CO2-Rechner für die Kultur“ hat sich die Stadtbücherei zunächst auf das Jahr 2018 konzentriert und folgte damit dem Rat der Organisatoren, mit einem Zeitraum zu beginnen, der vor der Corona-Pandemie liegt.

Welche Daten wurden erhoben? Berücksichtigt wurden Daten zum Energieverbrauch, Wasser, Abfall, Publikumsverkehr, Geschäftsreisen und Fuhrpark. Unter dem ersten Reiter der Eingabemaske wurden allgemeine statistische Daten, wie z. B. die räumliche Größe, Besucher*innenzahlen, Öffnungstage und Stunden pro Woche sowie die Anzahl der Mitarbeitenden abgefragt, die man gut über die Deutsche Bibliotheksstatistik9 beantworten konnte. Doch auch die anderen Angaben waren nicht schwer zu beschaffen, da die Kommunikationswege in einer Kleinstadt kurz sind, und Energiedaten und Wasserverbrauch sowieso mit dem Eigenbetrieb abgerechnet werden. Die Rechnungen lagen also alle vor. Eine Schwierigkeit bei der Eingabe ergab der Wert der Fernwärme. Diese Energieart gibt es in Großbritannien nicht, weshalb für die Eingabe zunächst keine Möglichkeit vorgesehen war. Das hat sich inzwischen jedoch geändert und ist ein Ergebnis der Testphase des Rechners. Eine weitere Herausforderung stellte die Ermittlung der Abfallmenge dar. Die Stadtbücherei trennt natürlich ihren Müll, benutzt aber die Tonnen der Stadtverwaltung mit. So entschied man sich, einen Monat lang die Menge des aktuellen Abfalls zu zählen und auf ein Jahr hochzurechnen. Das Gleiche galt für die Angabe zur Anreise des Publikums. Wie sollte man diese ermitteln? Die FAMI-Auszubildende Sarah Fenger entwickelte zusammen mit der Büchereileitung einen einfachen Umfragezettel, den die Besucher*innen einen Monat lang ausfüllten. Die auf diese Weise ermittelten Werte für die Anreise im Oktober konnten für die Klimabilanz verwendetet werden. Aufgrund der Vermutung, dass in den Sommermonaten mehr Menschen mit dem Fahrrad zur Bücherei kommen, wird die Umfrage im Juni noch einmal wiederholt werden. Zunächst unlösbar erschien die Angabe der Anreise der Mitarbeitenden. Wo sollten die Daten zur Mitarbeitendenmobilität eingegeben werden? Die Entscheidung, dies bei den Geschäftsreisen anzugeben, wurde auch von anderen Institutionen des Pilotprojekts bestätigt.

In der gesamten Zeit des Pilotprojekts von September 2021 bis März 2022 standen die Mitarbeitenden des Aktionsnetzwerks mit Rat und Tat zur Seite, was enorm hilfreich war. Daneben wurden Sprechstunden organisiert und eine virtuelle Kommunikationsplattform zur Verfügung gestellt. Zudem konnten bei zwei virtuellen Treffen erste Erfahrungen ausgetauscht und Ergebnisse vorgestellt werden. Am 18. März 2022 fand die Abschlussveranstaltung statt. Der CO2-Rechner wird danach öffentlich nutzbar gemacht.

6. Fazit und Ausblick

Abb. 2: CO2 Fußabdruck der Stadtbücherei Emmerich am Rhein für das Jahr 2018 – Ergebnis des Pilotprojekts

Die Klimabilanz der Stadtbücherei Emmerich am Rhein brachte wenige Überraschungen. Der gesamte Ausstoß ist mit 16,8 t nicht hoch. Der Energieverbrauch sorgt mit 55,14% am meisten zum CO2-Ausstoß bei (Abb. 2). Aber auch der Publikumsverkehr ist nicht zu unterschätzen. Im ländlichen Raum fahren viele Menschen mit dem Auto, da der Öffentliche Personennahverkehr kein ausreichendes Angebot bietet. Dieses Ergebnis war zu erwarten. Trotzdem hat sich die Teilnahme gelohnt. Der Aufwand hielt sich in Grenzen. Mit den vorliegenden Zahlen lassen sich Verhandlungen mit der Verwaltung viel zielgerichteter führen. Die Erstellung der Klimabilanz war machbar und hilfreich.

Was nun folgen muss, sind Handlungen, um das angestrebte Ziel von einer Reduzierung des CO2-Ausstoßes von 7,6% pro Jahr zu erreichen. Als erstes Handlungsfeld wird der Stromverbrauch ins Auge gefasst. Hierzu werden derzeit Gespräche für die Umstellung der Beleuchtung auf LED-Technik geführt. Das würde den Stromverbrauch deutlich reduzieren. Ein neues Beleuchtungskonzept wird derzeit erarbeitet und Angebote eingeholt. Für weitere Aktionen wird das Büchereiteam eine Prioritätenliste erstellen und Ideen in einem Umweltaktionsplan festhalten. Auch hierzu bietet der CO2-Rechner mit dem Reiter „Jenseits von CO2“ gute Anstöße. Um den CO2-Fußabdruck über mehrere Jahre hinweg vergleichen zu können, sollen auch die Jahre 2019-2022 eingegeben werden.

Insgesamt fällt das gezogene Fazit positiv aus. Zudem hat das Pilotprojekt dem Image der Stadtbücherei innerhalb der Verwaltung gutgetan. Deshalb gibt es Pläne, die Klimabilanzierung auch auf die anderen Kulturinstitutionen der Stadt auszuweiten. Erst dann ließe sich ein gesamter Klima-Handlungsplan für die Kultur in Emmerich am Rhein erarbeiten. Für die Umsetzung dieses Vorhabens arbeitet die Betriebsleitung mit der Klimamanagerin der Stadt, Hanna Kirchner, und der Umweltschutzbeauftragten der Stadtverwaltung, Regina Pommerin, zusammen. Zur Hochschule Rhein-Waal in Kleve wurden bereits erste Kontakte geknüpft, um dort eine Studienarbeit zu initiieren, die ihren Fokus auf alle Kultureinrichtungen in Emmerich am Rhein legt.


Zur Autorin

Andrea Joosten studierte Bibliothekswesen an der Fachhochschule für das Öffentliche Bibliothekswesen Bonn, das sie mit einer Diplomarbeit zur Literaturgattung der Öko-Ratgeber abschloss. Ab 1992 baute sie die Museumsbibliothek der Stiftung Museum Schloss Moyland – Sammlung van der Grinten – Joseph Beuys Archiv des Landes NRW auf. In der Hamburger Kunsthalle leitete sie von 2001-2017 die Museumsbibliothek, ab 2018 die Abteilung Information und Dokumentation, womit sie auch für die Archive und Sammlungsdokumentation zuständig war. 2016-2017 lehrte sie an der HAW Hamburg in ihrem Forschungsschwerpunkt Künstlerbücher. Seit 2020 ist sie stellvertretende Leiterin des städtischen Eigenbetriebs Kultur Künste Kontakte und zugleich Leiterin der Stadtbücherei Emmerich am Rhein.

Kontakt:

Andrea Joosten
Stadtbücherei Emmerich am Rhein, Hinter dem Hirsch 1, 46446 Emmerich am Rhein
andrea.joosten@stadt-emmerich.de

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